Antonios Vorsprung schmilzt

Seit vielen Jahren markiert das Rennen auf dem Autodrom von Most das Ende der Sommerpause und den Beginn der heißen Phase der Truck Race-Europameisterschaft. Wer schon lange genug im Geschäft ist, erinnert sich vielleicht noch an die Zeiten, in denen der Titelträger schon in Most mehr oder weniger feststand. Davon sind die Protagonisten inzwischen meilenweit entfernt – wer Champion wird, entscheidet sich nicht zuletzt aufgrund der großen Leistungsdichte meist erst auf der Zielgeraden, also am letzten Rennwochenende der Saison.

Antonio Albacete kam als Führender im EM-Klassement zum Termin im tschechischen Industrierevier. Sein Ziel war es natürlich, den knappen Vorsprung weiter auszubauen. Doch zunächst „durften“ sich die Truck Racer als Taxifahrer betätigen. Der Einsatz war allerdings – anders als am Nürburgring – nicht im gegenseitigen Einvernehmen mit den Teams besprochen worden sondern eine einseitige Angelegenheit des Veranstalters, der damit seinem diesjährigen Hauptsponsor entgegen kam. Der Lohn für die Arbeit war eine zusätzliche freie Trainingseinheit außerhalb des offiziellen FIA-Wochenendprogramms.

 

Im ersten Qualifying stellte sich dann – aus Sicht von Albacete: bedauerlicherweise – heraus, dass die Europameisterschaft 2013 eine knappe Angelegenheit bleiben wird. Jochen Hahn präsentierte sich in guter Verfassung und eroberte sich die erste Pole Position dieses Wochenendes. Der Deutsche wußte den Vorteil zu nutzen – nach der Startphase lag Hahn vor Albacete, der im Rennen einen Tick schneller war als der Führende und am Heck des Vordermanns zu kleben schien. Allerdings war Hahn nicht so freundlich, bis zum Ende der Renndistanz eine Tür zu öffnen, um dem Verfolger das Vorbeifahren zu ermöglichen. Folglich kamen die beiden Rudelführer in der Reihenfolge ihrer Starnummern ins Ziel: Hahn als Nummer 1, Albacete als Nummer 2. Zur Freude des Teams wurde das Podium von Markus Oestreich komplettiert, der im MAN des TSB-Teams eine gute Vorstellung bot und sich mit dem Bronzeplatz gegenüber seiner Platzierung im Zeittraining um einen Rang verbesserte.

Im zweiten Championshiprace, diesmal mit gedrehter Startreihenfolge, betätigte sich zunächst Lokalmatador Frankie Vojtisek als „Bremser“. Der Tscheche schleppte etliche Runden lang einen ganzen Pulk von Verfolgern um den schnellen Ring, ehe es den Konkurrenten gelang, am weißen Racetruck Vojtiseks vorbei zu ziehen. Derweil war ganz vorne der junge Ungar Benedek Major weit enteilt. Der 17-jährige Youngster blieb absolut fehlerfrei und nutzte schon zum zweiten Mal in seiner ersten Truckracesaison die gebotene Chance – dass Major noch ein Rookie ist, zeigte sich erst auf dem Siegerpodest, wo er sich schnell in sein Schicksal fügte und speziell von Antonio Albacete gründlich geduscht wurde. Der Spanier hatte sich zuvor vom siebten Startplatz bis auf Rang drei vorgearbeitet.Weniger gut lief es für Markus Oestreich, der wegen einer Rangelei am Start zu einer Durchfahrtsstrafe verdonnert wurde. Von fast letzter Postion pflügte Markus Oestreich durch das Feld und sah als Zehnter die Zielflagge. Durch die nachträgliche Bestrafung einger anderer rückte er am Ende des Tages noch auf Platz neun vor.

Am Sonntag war es erneut Hahn, dem im zweiten Aufgalopp des Zeittrainings die schnellste Rundenzeit gelang. Antonio Albacete und Markus Oestreich bildeten als Dritter bzw. Vierter im dritten Rennen die zweite Startreihe. Oestreich schaffte im Rennen einen Sprung nach vorne, er kam als Drittplatzierter ins Ziel, gefolgt von Albacete. Auf dem Podium erhielt Norbert Kiss, der kurz nach Sieger Hahn über die Ziellinie geschossen war, den Pokal für den zweiten Platz. Den musste er wenig später aber wieder abgeben, er wurde wegen unsporticher Fahrweise mit einem Zehn-Sekunden-Aufschlag bestraft. Damit rückten Oese und Albacete in den finalen Ergebnislisten auf die Plätze zwei bzw. drei vor.

Im abschließenden Wertungsrennen kamen die beiden Piloten auf den vom Bernau-Team aufgebauten MAN Race Trucks einmal mehr nacheinander ins Ziel. Diesmal allerdings lag Albacete wieder vor dem Deutschen. Der Madrilene stand als dritter Mann mit auf dem Siegerpodest, auf dem zur Freude der tschechischen Fans zwei einheimische Fahrer ganz oben standen: David Vrsecky hatte sich in dem Lauf vor Adam Lacko durchgesetzt.