Oese´s Truck wird zum CEPSA Truck
Eigentlich hatte sich das Team von Trucksport Lutz Bernau beim vorletzten Rennen des Jahres in Jarama schon auf eine kleine Meisterschaftsfeier gefreut – die beiden Fahrer Antonio Albacete und Markus Oestreich hatten am Samstag nach dem ersten Lauf die Teamwertung der European Truck Racing Championship vorzeitig für sich entschieden. Doch zum Feiern war den Mitarbeitern und Freunden von TSB dann doch nicht zumute: Noch am Samstag wurde Titelfavorit Antonio Albacete im zweiten Rennen unverschuldet in einen schweren Unfall verwickelt, der alle Pläne für das Saisonende durcheinander brachte.
Dabei hatte sich das Rennwochenende unweit der spanischen Hauptstadt Madrid zunächst ganz gut angelassen für das Team Bernau: Markus Oestreich wurde im Zeittraining mit der schnellsten Runde gestoppt. Beim Start zum ersten Lauf geriet „Oese“ mit dem Ungarn Norbert Kiss aneinander, Nutznießer des Gerangels war Antonio Albacete, der sich an die Spitze des Feldes setzte und das Rennen gewann. Oestreich erkämpfte sich am Ende einen dritten Platz.
Es war ausgerechnet Antonios spanischer Landsmann Javier Mariezcurrena, der beim Start zum Championshiprace 2 in der ersten Kurve von der Piste driftete und aufs Kiesbett geriet. Als er versuchte, wieder auf den Asphalt zu kommen, verlor er die Kontrolle über seinen MAN und krachte mit voller Wucht in den Truck von Albacete. Der Cepsa-MAN war nach dem Unfall außer Gefecht, zum zweiten Start des Rennens konnte Antonio (der sich bei der Karambolage leicht verletzt hatte) nicht mehr antreten. Dafür entschädigte sich Markus Oestreich für den entgangenen Sieg im vorangegangenen Lauf und schoss diesmal als Erster über den Zielstrich.
Zwischenzeitlich war Albacetes havarierter Truck im Paddock angekommen und von den Mechanikern einer ersten Inspektion unterzogen worden. Die Schäden an dem Fahrzeug waren so schwer, dass die Crew nach rund zwei Stunden den Versuch aufgab, das Fahrzeug für den nächsten Tag wenigsten notdürftig instand zu setzen. Daher entwickelte Antonios Cepsa-Team gemeinsam mit Lutz Bernau und Markus Oestreich einen Notfallplan, um die Meisterschaft nicht kampflos aufgeben zu müssen: Aber erst am nächsten Morgen, als sich alle anderen Fahrer (also auch Jochen Hahn, Antonios härtester Konkurrent in den letzten Jahren) einverstanden erklärt hatten, war klar, dass Albacete wechseln durfte und den Endspurt im Titelkampf mit dem Truck von „Oese“ bestreiten konnte.
Aufgrund des Reglements muss der Spanier das Fahrzeug auch in Le Mans benutzen. Was für das Team eine hektische Woche bedeutet, denn bis zum Finale muss der Racetruck auf Albacete abgestimmt werden, parallel dazu soll der havarierte Cepsa-MAN repariert und für Markus Oestreich vorbereitet werden. Der Racetruck benötigt ein komplett neues Fahrerhaus, zudem müssen die Schäden am Chassis ausgebügelt werden.
Dank der Fairness des restlichen Teilnehmerfelds konnte Antonio Albacete den Schaden einigermaßen in Grenzen halten – er fährt, nach einem dritten und einem sechsten Rang am Sonntag, mit einem Vorsprung von elf Punkten nach Le Mans. Ob das reichen wird, um auch den Einzel-Titel zu gewinnen, lässt sich natürlich nicht vorhersagen: Die beiden letzten Rennwochenenden machten noch einmal eindringlich klar, dass sich im Motorsport Prognosen ganz schnell in Luft auflösen können. Auch wenn nicht nur das Team von Trucksport Lutz Bernau hofft, dass das Finale ohne größere Havarien über die Bühne geht.

